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  • raphaelclemencio

Am Zoll angekommen, wurden wir von den Zöllnern welche nicht Englisch sprachen, freudig begrüsst sie hatten zum einen Freude an unserem Fortbewegungsmittel und zum anderen an unserer Schweizer Identitätskarte. Nach einem Verständigen mit Händen und Füssen, äusserte ich ein “Dobro” was soviel wie “gut” heisst und sie lachten entgegen und verabschiedeten sich mit einem doppelten “Dobro, dobro”.

Kaum über den Zoll gekommen, begann es stark zu regnen. Wir hatten schon mehr als 80 Kilometer in den Beinen und waren hungrig und der geeignete Schlafplatz wollte im weiterhin hügligen Serbien nicht kommen. Nach langem Suchen ohne Fahrrad war auf einem Hügel der gewünschte Platz gefunden. Mitten in der nassen Nacht wachte ich mit Rückenschmerzen auf und David war so nett und tauschte die bewährte in der Schweiz gekaufte Matte mit mir und begab sich auf die leicht dünnere “italienische” Matte. Nach dem Aufstehen, lösste mir mein Bruder mit einer Massage die Verspannungen in meinem Rücken.

Weiter ging es durch die serbischen Städte Čacak und Kraljevo von denen es sightseeing technisch kaum etwas zu berichten gibt. Unser Zelt stellten wir leicht ausserhalb Kraljevo, in der Nähe eines verlassenen Hauses auf. Wir wussten, dass gewisse Häuser laut Karte etwa 500m von uns entfernt waren und versuchten somit nicht zu viel Licht und Lärm von uns zu geben.

Im Dunkeln waren wir inmitten des Zubereitens des Nachtessens und flüsterten leise miteinander als plötzlich ein Mann mit Licht durch die Büsche schritt. Er zündete uns mit seiner Lampe ins Gesicht und fragte misstrauisch in serbischer Sprache von wo wir kommen. Als er verstand, dass wir aus der Schweiz sind, wollte er uns nicht glauben und wir versuchten zu erklären, dass wir eine Mischung zwischen Schweiz und Philippinen sind.

Wir zeigten ihm die Fahrräder und nahmen die offline Transaltor App zur hilfe. So konnte er verstehen, dass wir von der Schweiz bis nach China reisen möchten. Ich bot ihm meinen Stuhl an und Dragisa setzte sich zu uns in den Kreis und wir hatten eine nette Runde. Auf die Frage ob er mit uns essen möchte meinte er nein danke, er gehe und komme bald wieder. Wir waren fast fertig mit dem essen als er mit einem Sack Äpfel vom Baumin in seinem Garten und einer Pet-Flasche Rakija / Zwetschgen Schnapps wieder aufkreuzte. David konnte den Rakija besser vertragen als ich.. Er fragte uns ob wir morgen einen Kaffee trinken kommen. Im Chor nahmen wir dieses Angebot dankend an. Er zeigte uns noch wo sein Haus steht und wir wünschten uns eine gute Nacht. Wir machten uns darauf Schlafsackfertig und putzten die Zähne. Plötzlich hörte ich von der Strasse hin ein scheues “Hallo” und löschte sofort das Licht und wollte nicht erneut entdeckt werden. Auf das zweite “Hallo” lief ich neugierig der Strasse entgegen. Eine Frau stand da mit einem Tablett Omeletten in der Hand. Ich vermutete die Frau von Dragisa und nahm die noch warmen Omeletten dankend entgegen, welche dann unser Frühstück waren.

Am Tag darauf, empfing uns Dragisa und seine Frau Jasna mit Kaffee, Tee, hausgemachtem Honig und natürlich einer Flasche Rakija in seinem Garten. Wir tauschten uns weiter aus und er füllte uns eine Pet Flasche mit Rakija, gab uns noch weitere Äpfel mit auf den Weg und machte uns via Videocall mit seinem Bruder der in der Schweiz lebt bekannt. Kurz gefasst: unglaubliche schöne Bekanntschaften welche wir uns zwar vor der Reise erträumt haben aber nicht geplant werden können.

Nach einem Ruhetag im Wellness und einer Airbnb Unterkunft, fuhren wir weiter Richtung Niš wovon es etwas mehr als 100km zur bulgarischen Grenze sind. Kurz vor Niš trafen wir Josh, einen inspirierenden, 21 jährigen, englischen Burschen der von Shanghai, China aus zurück in seine Heimat England radelt. Dies jedoch in doppelt so schnellem Tempo wie wir, mit weniger Gepäck, einem leichteren Fahrrad aus Carbon und einem noch verrückterem Denkstübchen. Gemeinsam tauschten wir uns bei einem Strassenladen bei einer Tafel Schokolade und Chips über die Erlebnisse und Routen aus. Wir staunten nicht schlecht als plötzloch auf der Strasse ein bepacktes Trike (eine Art Sitzvelo) aufkreuzte und unsere drei Reiseräder musterte. Bidi setzte sich zu uns und erzählte uns dreien seine Pläne, wie er mit dem elektrisch unterstützten Trike von England nach Südafrika fahren möchte. An diesem Tisch war die Passion für das Radfahren- und reisen vollumfänglich spürbar.

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  • davidclemencio8

Herzegovina empfing uns gleich mit einem Pass. Nachdem wir bereits auf der kroatischen Seite der Grenze einige Höhenmeter zurückgelegt hatten, gings hier weiter hinauf. Da der Tag bereits fortgeschritten war beschlossen wir, unser Zelt atwas Abseits der Passstrasse auf einem Feldweg aufzuschlagen.

Am nächsten Morgen dann die Belohnung. Nach kurzem Aufstieg gings ordentlich bergab und wir belohnten uns mit einem ausgiebigen Früstück. Von der netten Dame im Supermarkt wurden wir nach unseren Reiseplänen gefragt und sie staunte nicht schlecht als sie unsere Antwort hörte. Weiter meinte sie, wir könnten uns auf den kommenden Abschnitt freuen, den Blidinje See und den ihn umgebenden Nationalpark. Die paar Hundert - gefühlt 10000 - Höhenmeter waren sehr streng aber lohnten sich auf alle Fälle! Wir staunten nicht schlecht über die idyllische Szenerie des Sees und der Landschaft. So sehr, dass wir sogar vergassen ein Foto davon aufzunehmen...

Auf einer frisch geteereten Strasse, wo die Arbeiter noch immer mit dem teeren baschäftigt waren, gings wieder Talwärts. Gestärkt von Speis und Trank hielten wir nach einem Schlafplatz ausschau. Als uns jemand am Strassenrand anfeuerte, beschlossen wir ihn zu fragen, ob es okay sei, wenn wir unser Zelt am kleinen Stausee unten aufschlagen würden. Nach einem kurzen Gespräch darüber woher wir kommen und was wir vorhaben meinte er, wir könnten auch in seinem Ferienhaus übernachten. Enis und seine Familie würden heute zurück nach Sarajevo fahren und das Häuschen stünde so oder so leer. Dankend nahmen wir die grosszügige und komplett unerwartete Einladung an, und genossen die warme Dusche, das Bett und das Dach über unseren Köpfen.

In Sarajevo angekommen beschlossen wir einen Ruhetag einzulegen und die Stadt etwas zu erkunden. Sarajevo verbindet verschiedenste Kulturen und Religionen. Der Osten der Stadt ist orientalisch, muslimisch geprägt, wobei der Westen europäisch wirkt. Auch wegen der traurigen Geschichte des Landes, welches Stark von Kriegen gezeichnet ist, erzählen die Strassen, Gebäude und Menschen Sarajevos Geschichten die unter die Haut gehen.

Frisch gewaschen und ausgeruht - sogar Raphaels Rücken tat nicht mehr weh - ging unser Weg über mehrere Hügel weiter in Richtung Serbien. Die letzte Nacht auf bosnischem Boden verbrachten wir auf einem mehr oder weniger sauberen Platz eines ansonsten komplett mit Müll übersäten Feld. Schade!

Kurz vor der Grenze erlaubten sich ein paar Polizisten einen Spass und hielten uns am Strassenrand an. Nach einem netten kurzen Gespräch über unser Vorhaben liessen sie uns weiterziehen. Beim wegfahren zeigte einer immer wieder auf seine speedgun und meinte gestikulierend, wir sollen ja nicht zu schnell fahren :D

Mit einem starken Regen wurden wir bei der Abfahrt nach Rijeka in Kroatien begrüsst. Die Freude war jedoch sofort zurück als wir beim Verlassen der Stadt von lokalen Fussballfans mit Fangesängen als “Biciclisti” angefeuert wurden.

Ausserhalb der Stadt fanden wir ein lauschiges Plätzchen in der Nähe des “Tribalj” See’s. Um nicht von den Anwohnern gesehen zu werden platzierten wir unser Zelt im Gestrüpp. Von einem Wespenstich leicht angespannt zeigte David auf den etwa 100 Meter entfernten Hochsitz und meinte, ob da nicht ein Jäger drin hocke. Ich setzte als kurzsichtiger die gesponserte, korrigierte Sportbrille auf und gab Entwarnung. “Was ist denn mit Morgen?” meinte David. Ich entgegnete gelassen: “Die Kroaten gehen am Sonntagvormittag sicherlich in die Kirche und gehen doch nicht jagen.”

Nach einer wunderbaren, klaren Nacht, stärkten wir uns an der Polenta vom Vorabend. Plötzlich bellten uns zwei Hunde an und ein Mann mit umgehängten Gewehr und Tarnkleidung versuchte diese wieder etwas zu beruhigen. Uns war sofort klar: wir müssen raus aus diesem Jagdgebiet! Sofort zogen wir unsere Leichtwesten an und verräumten in Rekordzeit unser Zelt und sattelten rasch unsere Fahrräder.

Unser Zelt im Jagdgebiet

Losgefahren näherten wir uns dem Meer und genossen das Baden in der etwa 16 grädigen Adria. Unser Weg führte weiter in die wundervolle Landschaft des Nationalparks. Entschlossen nichts in der Natur zurückzulassen und unweit der doch relativ stark befahrenen Strasse zu übernachten, suchten wir einen Schlafplatz. Da sich dies als nicht sehr einfach erwies, fanden wir schlussendlich eine abgelegene und von mir bezeichnete “Römerstrasse” auf der wir überzeugt waren, schlafen zu können. Wir unterlegten die aufblasbaren Matten mit dem Zelt, damit die scharfen Kanten den Matten so wenig wie möglich anhaben konnten. Die Natur, die Stille und der Sternenhimmel sowie die Nacht wie auf einem Nagelkissen waren einzigartig. Ich hatte enormen Respekt mich auf der Matte zu bewegen, hatte ich diese doch erst vor zwei Tagen neu erworben..

Ohne Loch in der Matte begaben wir uns auf den weiteren Weg. In Karlobag gönnten wir uns eine ausgewogene Mittagspause und räumten sämtliche Saccoschen aus, damit die Kleider, Schlafsäcke, das Zelt und alles weitere auslüften und trocknen konnten. Auf der Suche nach einem weiteren bequemeren Schlafplatz aber weiterhin unter freiem Himmel, lernten wir an einem Strand Kim und Joko aus Holland kennen. Diese reisten mit ihrem Van durch halb Europa. Joko konnte die am Strand fischenden und wohnhaften Einheimischen mit einem Schluck Rakjia überzeugen, dass wir hier übernachten konnten. Den Rest des Rakija gönnten wir uns zu viert und hatten einen netten Abend am Strand.

Auf dem weiteren Weg Richtung Bosnischer Grenze lernten wir Louis und Victoire kennen, welche von Paris aus nach Jerusalem pilgern. Eine sehr inspirierende Begegnung, seit welcher ein kleiner Mariaanhänger mein Velo ziert.

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