Search
  • geborgen-gebunden

Das zu kurze Zungenband - nicht nur in der Stillberatung ein wichtiges und oft unterschätztes Thema. Welche Folgen kann es haben? Wie erkennt man ein verkürztes Zungenband? Was ist zu tun, wenn man das Gefühl hat, es stimmt etwas nicht? Informationen dazu findet ihr im folgenden Beitrag. Eine individuelle Beratung kann dies natürlich nicht ersetzen. Meldet euch bei mir, wenn ihr unsicher seid!

1. Das anteriore und das posteriore verkürzte Zungenband

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen dem anterioren und dem posterioren Zungenband. Das anteriore zu kurze Zungenband beginnt bereits an der Zungenspitze und verursacht daher im Regelfall eine Herzform-Zunge bzw. eine Kerbe in der Zunge. Diese Art des verkürzten Zungenbandes wird bereits meistens im Rahmen der ersten Untersuchungen nach der Geburt festgestellt und auch durchtrennt. Die weniger bekannte Form ist das posteriore zu kurze Zungenband. Dieses beginnt weiter hinten an der Unterseite der Zunge, die Zunge ist im vorderen Teil daher oft völlig unauffällig. Aus diesem Grund bleibt das posteriore Zungenband häufig unerkannt und fällt oft erst im Rahmen von Stillschwierigkeiten oder noch viel später auf. Oder es wird - insbesondere weil in Deutschland noch viel Unkenntnis verbreitet ist - überhaupt nie erkannt. Beide Formen des verkürzten Zungenbandes können jedoch dieselben Einschränkungen der Zungenbeweglichkeit und damit auch dieselben Folgeprobleme verursachen. Auch sollte die Behandlung und Begleitung im Grunde gleich ablaufen.

2. Typische Anzeichen für ein verkürztes Zungenband

Die folgenden Anzeichen können (insbesondere bei Vorliegen mehrerer Anzeichen) auf ein verkürztes Zungenband hindeuten:

a) Beobachtungen beim Kind im Hinblick auf das Stillen:

  • Das Baby will regelmäßig sehr häufig stillen.

  • Das Baby hat Schwierigkeiten richtig anzudocken ("Ran-Weg-Verhalten").

  • Das Baby kann die Brust nicht richtig fassen (nur wenig Brustgewebe, verliert die Brust regelmäßig, saugt nicht effektiv).

  • Das Baby kann gar nicht oder sehr langsam Milch aufnehmen (langes ineffektives Stillen).

  • Das Baby macht Schnalz- oder Klicklaute beim Stillen.

  • Weißer Belag im hinteren Teil der Zunge.

  • Die gesamte Stillsituation ist schwieirg und angespannt.

  • Das Baby zeigt problematische Gewichtsverläufe (typisch: nach der Geburt normale Zunahme, dann langsam die eigene Gewichtskurve nach unten verlassend; nach der Geburt und 4-6 Wochen im Anschluss normale Zunahme, dann langsam die eigene Gewichtskurve nach unten verlassend; nach der Geburt normale Zunahme, im Anschluss normale Zunahme nur durch Zufütterung; nach der Geburt normale / geringe Zunahme und anschließend auffällige Zunahme (eher selten)).

b) Beobachtungen bei der Mutter im Hiblick auf das Stillen:

  • Schmerzende Brustwarzen / Entzündete Brustwarzen.

  • Die Brust wird beim Stillen nicht wesentlich entleert (wird nicht weicher).

  • Verformte / gequetschte Brustwarzen.

  • Keine genügende Milchbildung direkt nach der Geburt oder in den Wochen / Monaten nach der Geburt (auch wenn zu Beginn die Milchbildung noch ausreichte).

  • Pumpen erforderlich um Milchbildung anzukurbeln / aufrechtzuerhalten.

  • Milchstau / Mastitis.

c) Weitere Beobachtungen beim Kind (unabhängig vom Stillen):

  • Trinken aus der Flasche beeinträchtigt (das Kind kann kein Vakuum halten; Sauger kann leicht aus dem Mund gezogen werden; das Kind kann nur aus Saugern trinken, aus denen die Milch ohne Zutun "fließt"; das Kind verliert Milch im Mundwinkel; Flaschenmahlzeiten dauern sehr lang / sind sehr anstrengend für das Kind).

  • Essen fester Kost ist beeinträchtigt (das Kind isst schlecht; es würgt, das Kind kann nur Essen in Breiform aufnehmen; das Kind kann die Nahrung nicht im Mund halten).

  • Das Baby hat einen Reflux / übergibt sich oft nach dem Stillen / Essen.

  • Häufiges Aufstoßen und / oder Schluckauf.

  • Starke Blähungen.

  • Das Baby zeigt das typische Verhalten eines "Schreibabys": Es weint sehr viel, ist sehr unruhig und lässt sich kaum beruhigen. Es schläft schlecht und nur in bestimmten Positionen (oft die aufrechte Trageposition).

  • Das Baby ist sehr zurückgezogen und eher "pflegeleicht".

  • Insgesamt haben die Eltern das Gefühl es stimme etwas nicht mit dem Kind.

  • Bei älteren Kindern kommen häufig Beobachtungen wie Zahnfehlstellungen, untypische Kieferentwicklungen, Rücken- und Nackenschmerzen dazu.

Die oben genannten Beobachtungen KÖNNEN auf ein zu kurzes Zungenband hindeuten. Sie können aber auch völlig andere Ursachen haben bzw. teilweise auch normal sein.

3. Mögliche Folgen eines zu kurzen Zungenbandes

Die Folgen eines zu kurzen Zungenbandes sind sehr weitreichend und sollen hier nur exemplarisch aufgezeigt werden. Sie gehen weit über die Stillproblematik hinaus. Typische Folgen sind insbesondere:

  • Stillprobleme jeglicher Art (siehe Beobachtungen oben). Ein zu kurzes Zungenband führt häufig zu einem verfrühten Abstillen wegen unzureichender Zunahme des Kindes, Schmerzen der Mutter oder einer insgesamt sehr anstrengenden und unausgeglichenen Stillbeziehung. Es ist durchaus möglich, dass das Stillen trotz zu kurzem Zungenband weiter geführt werden kann. Dies liegt häufig an einer sehr reichlichen Milchbildung der Mutter (ohne, dass das Baby in besonderem Maße die Milchbildung anregen muss), Unterstützung der Saugtechnik durch Osteopathen sowie die Möglichkeit sehr häufige Stillmahlzeiten umzusetzen.

  • Probleme in der Beikostzeit jeglicher Art.

  • Sprachschwierigkeiten (es gab bereits Fälle, in denen nach jahrelanger Logopädie erst das verkürzte Zungenband als Ursache gefunden wurde).

  • Zahn- und / oder Kieferfehlstellungen.

  • Vermehrt Karies (weil die Säuberungsfunktion der Zunge nicht funktioniert).

  • Haltungsprobleme, die häufig zu Rücken,- Nacken- und Kopfschmerzen führen.

  • Allgemeine Unzufriedenheit.

  • Schmerzen durch Haltungsprobleme.

  • Atembeschwerden / häufig Atmen mit offenem Mund.

  • Durch die falsche Atemtechnik vermehrtes Auftreten von Hals,- Rachen- und Mittelohrentzündungen sowie Nasennebenhöhlenentzündungen.

  • Schlafbeschwerden durch falsche Atemtechniken und häufiges Schnarchen sowie Apnoen (Atemaussetzer).

  • Gleichgewichtsstörungen.

Dies sind die am häufigsten vertretenen Folgen. Allerdings werden viele Krankheiten / Probleme bisher noch nicht mit dem verkürzten Zungenband in Verbindung gebracht, da die Forschung auf dem Gebiet noch nicht sehr weit ist. Die Liste kann die kommenden Jahre daher durchaus noch länger werden.

4. Wie erkenne ich ein zu kurzes Zungenband?

Hinweise auf ein zu kurzes Zungenband können bereits die oben genannten Beobachtungen geben, sofern einem einige dieser Beobachtungen auffallen und man das Gefühl hat, es stimmt etwas nicht. In diesem Fall sollte man sich die Zungenbeweglichkeit genau anschauen bzw. diese besser sogar durch eine(n) Fachmann/Fachfrau begutachten lassen (wer das ist, dazu unten mehr). Folgende Funktionen sollten bei einer normalen Zungenbeweglichkeit kein Problem darstellen (dies kann durch Ausüben der Reflexe der Zunge durch Zuhhilfenahme des Fingers "untersucht" werden):

  • Die Zunge kann von einem zum anderen Mundwinkel geführt werden.

  • Das Baby / Kind kann beim Gähnen / Weinen / Stillen den Mund weit öffnen.

  • Die Zunge kann beim Herausstrecken weit gefächert werden (nicht spitz zulaufend).

  • Die Zunge kann über die Unterlippe gestreckt werden.

  • Beim Öffnen des Mundes (insbesondere weinen) bleibt die Zunge nicht flach im Mund liegen (oft mit Grübchenbildung), sondern kann hoch Richtung Gaumen gestreckt werden.

  • Die Zunge kann eine Wellenbewegung ausüben (mit Sichtbarkeit am Schädelmuskel).

  • Das Kind kann über einen längeren Zeitraum an der Brust saugen, ohne das Vakuum zu verlieren und ohne Schnalz- oder Klickgeräusche (diese deuten darauf hin, dass das Baby den Saugschluss verliert).

Folgende Hinweise können ebenfalls auf ein zu kurzes Zungenband hindeuten:

  • Herzförmige Zunge

  • Rutschbahnform der Zunge

  • Ausgeprägte Saugbläschen an der Lippe

  • Ungewöhnliche Zungenformen

  • Das Kind spielt nie außerhalb des Mundes mit der Zunge.

5. Was ist zu tun, wenn einiges dafür spricht, dass das Baby / Kind ein zu kurzes Zungenband hat?

Erst einmal sollte man völlig ruhig bleiben. Eine große Anzahl von Babys kommt mit zu kurzem Zungenband auf die Welt. Es ist also keine problematische Fehlbildung oder ähnliches. Zum genauen abklären sollte ein/e Arzt/Ärztin, Osteopath/in oder eine Stillberaterin mit besonderer Qualifikation in dem Bereich aufgesucht werden. Leider wissen die wenigsten Kinderärzte bzw. Zahnärzte oder Stillberaterinnen überhaupt was ein posteriores Zungenband ist. Erst recht erkennen es viele nicht. Zum Erkennen reicht in der Regel nicht aus, nur einmal kurz in den Mund zu schauen, es erfordert eine ausführliche Anamnese. Man sollte sich daher vorher online bzw. telefonisch informieren ob der jeweilige "Fachmann" tatsächlich auch ein Fachmann auf diesem Gebiet ist. Sofern ihr hier Hilfestellungen benötigt, meldet euch gerne. Auch raten viele Fachpersonen grundsätzlich von einer Trennung ab, soweit keine schwerwiegenden Probleme ersichtlich sind. Auch solche Ratschläge sollten zumindest mit Vorsicht genossen werden, bzw. sich eine Zweitmeinung eingeholt werden.

Sofern ein verkürztes Zungenband festgestellt wurde (häufig wird dies auch bei längerer Anfahrt zum Arzt direkt mit der Durchtrennung verbunden), sollte man sich Gedanken machen, ob eine Frenotomie (Trennung) in Frage kommt. Ich persönlich würde in den weit überwiegenden Fällen dazu raten, auch wenn aktuell noch keine Probleme aufgetaucht sind. Die Folgen können einfach so weitreichend sein und in die Zukunft reichen, dass dies der sicherste Weg ist. In dem Fall sollte man auch hier wieder einen absolute(n) Fachmann/Fachfrau heranziehen. Dies sind häufig Zahn- und Kieferchirurgen aber auch einige Krankenhäuser und Kinderärzte. Eine Trennung findet mit einer Schere oder einem Laser statt und sollte immer rautenförmig durchgeführt werden. Die Durchtrennung selbst dauert nur einige Sekunden und sollte in jedem Alter ohne Vollnarkose stattfinden (ggf. örtliche Betäubung). Es ist ein vergleichsweise kleiner Eingriff. Viele Kinder beruhigen sich direkt im Anschluss, andere sind noch einige Stunden oder Tage etwas weinerlich. Es kann sowohl vor als auch nach der Frenotomie direkt gestillt werden. Dies ist sogar sinnvoll. Auch Schmerzmittel können ggf. verabreicht werden.

Die genaue Vorgehensweise sowie die Vor- und Nachbereitung sollte mit dem handelnden Arzt und sinnvollerweise auch mit einer Stillberaterin besprochen werden. Es macht Sinn einige Tage vor der Behandlung einen Osteopathen (bzw. Cranio-Sacral-Therapie) aufsuchen und dies auch im Anschluss an die Frenotomie noch mehrmals zu wiederholen. Auch sollten bereits vor der Trennung einige Zungenübungen geübt werden, die dann im Anschluss an die Trennung weiterhin ausgeführt werden. Wie diese genau auszusehen haben sollte man im Vorgespräch mit dem behandelnden Arzt und der Stillberaterin besprechen. Es gibt diesbezüglich auch passende Youtube-Videos. Die Übungen sollten im Anschluss an die Behandlung etwa alle 4-6 Stunden für die kommenden 4-6 Wochen wiederholt werden, um so zu verhindern, dass das Zungenband wieder zusammenwächst. Bei falscher Durchtrennung (insbesondere ungenügender Trennung) bzw. schlechter oder fehlender Nachbereitung kann es durchaus dazu führen, dass eine erneute Frenotomie nötig wird. Meist beheben sich Stillprobleme innerhalb kürzester Zeit, je nach Alter des Kindes ist es aber sehr sinnvoll eine Stillberaterin noch weiter aufzusuchen, um sicher zu gehen, dass das Stillmanagement korrekt ist bzw. die Milchbildung nun weiter angeregt werden kann.

6. Fazit

Das verkürzte Zungenband (insbesondere das posteriore) ist in Deutschland noch ein sehr unterschätztes Problem in der Stillberatung und ebenso in anderen Fachbereichen (Zahn- und Kiederorthopädie, Logopädie, Osteopathie). In anderen Ländern ist die Problematik bereits bekannter und wird auch regelmäßig behandelt. In Deutschland findet man leider (noch) sehr wenige Fachpersonen, sodass die Eltern oft lange Anfahrten in Kauf nehmen müssen. Daher ist eine gute Begleitung durch eine Stillberaterin vor Ort gut und wichtig. Die Frage, ob eine Frenotomie durchzuführen ist, muss die Familie letztlich individuell treffen.

  • geborgen-gebunden

Ist Stillen in der heutigen hoch technologisierten Welt überhaupt noch sinnvoll? Ist die gekaufte Pre-Nahrung da nicht vielleicht sogar besser und vor allem praktischer für Mama und Kind? Und wer oder was ist eigentlich eine Stillberatung?

Stillen - wohl eines der am kontrovers diskutiertesten Themen rund um Baby und Mama sein. Da gibt es die einen, die schon vor dem Schwangerschaftstest klarstellen, dass Stillen für sie niemals in Frage käme. Schließlich sei das heutzutage ja nicht mehr notwendig und nach der Geburt wolle man doch auch endlich wieder ein bisschen Freiheit und den eigenen Körper für sich haben. Auf der anderen Seite trifft man die Mamas an, die sich als Langzeitstillmütter bezeichnen, stillen bis das Kind sich von selbst abstillt und für die Pre-Nahrung und Fläschchen ein absolutes Tabu darstellen.

Was ist also dran am Stillen? Zunächst einmal sollte man sich klar machen, dass die Frage, ob man sein Kind stillen möchte, eine sehr persönliche und individuelle Entscheidung ist, die jede Mama bzw. jede Familie für sich selbst treffen sollte. Vor allem haben Außenstehende keinerlei Recht, Mamas bei solchen Themen beeinflussen zu wollen bzw. ihnen gar ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen. Weder die Flaschenmamis noch die Langzeitstillmamis.

Ja, notwendig ist es heute tatsächlich nicht mehr sein Kind zu stillen. Dank modernster Errungenschaften wie der Pre-Nahrung. Und was können wir dankbar sein, dass es solche Möglichkeiten heutzutage gibt. Und zwar nicht nur für die Mamas, die tatsächlich aus bestimmten Gründen ihr Kind nicht stillen können, sondern auch für die Mamas, die ihr Kind einfach nicht stillen möchten. Schade ist es meines Erachtens nur, wenn Mamas aus Unwissenheit, nicht berechtigten Ängsten oder gar äußeren Einflüssen sich dazu entscheiden ihr Kind nicht zu stillen. Denn eines muss trotz der mittlerweile großartigen Alternativen klar sein - Stillen ist und bleibt immer noch das Beste für Mutter und Kind.

Und das aus unterschiedlichen Gründen, von denen ich hier einige exemplarisch nennen möchte:

  • Das Kolostrum, die Milch in den ersten Tagen nach der Geburt, entspricht in Menge und Zusammensetzung ganz genau den Bedürfnissen des Säuglings und schützt ihn vor Infektionen. Man nennt das Stillen nach der Geburt daher auch häufig "die erste Impfung".

  • Durch die in der Muttermilch enthaltenen Abwehrstoffe, werden gestillte Kinder durchschnittlich seltener krank. Und dies nicht nur im Neugeborenen-Alter, sondern ebenfalls im Kleinkind-Alter. Typische Krankheiten, die seltener auftreten sind Mittelohrentzündungen, Erkältungen und Magenverstimmungen.

  • Muttermilch steht immer in der richtigen Menge, Temperatur und Zusammensetzung zur Verfügung (vorausgesetzt die Mutter hat genügend Milch, was bei über 95 % der Frauen der Fall sein müsste).

  • Gestillte Kinder haben ein geringeres Allergierisiko. Insbesondere Lebensmittelunverträglichkeiten als auch Pollenallergien treten weitaus seltener auf.

  • Gestillte Kinder leiden seltener an Übergewicht. Und das, obwohl gerade gestillte Kinder zu Beginn oft richtige Speckbabies sind.

  • Durch das Saugen wird die Kieferentwicklung günstig beeinflusst. Dies hat positive Auswirkungen auf die spätere Zahnstellung und Sprachentwicklung.

  • Stillen ist unheimlich praktisch: die Milch hat man immer in richtiger Menge und Temperatur dabei ohne ein Fläschchen zubereiten zu müssen. Auch Nachts kann dies eine enorme Erleichterung für Mütter sein.

  • Stillen spart im Laufe der Stillzeit eine Menge Geld, weil keine Fläschchen und Milchpulver gekauft werden müssen. Das kann allein im ersten Jahr einige hundert Euro ausmachen.

  • Die Rückbildung der Gebärmutter erfolgt schneller und komplikationsloser. Das liegt an der Ausschüttung des Hormons Oxytocin, wodurch sich die Gebärmutter besser zusammenzieht.

  • Das Risiko an Brust,- Eierstock,- und Gebärmutterhalskrebs zu erkranken verringert sich für die Mutter enorm.

Das sind nur einige der Vorteile des Stillens. Ja - gekaufte Babynahrung ist ein toller Ersatz. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Stillen eine Menge Vorteile für Mutter und Kind mit sich bringt. Nicht grundlos empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation Müttern ihr Baby sechs Monate ausschließlich zu stillen und zwei Jahre oder mehr unter steigender Menge von Beikost zu stillen.

Aber wofür könnte Frau nun eine Stillberatung benötigen? Funktioniert das nicht einfach so? Grundsätzlich sind Frauen dazu gemacht ihre Kinder zu stillen und mehr als 95 % könnten dies auch tatsächlich. Trotzdem werden junge Mütter gerade in den ersten Wochen nach der Geburt vor viele Herausforderungen gestellt. Stillen kann man nicht einfach, man braucht in vielen Fällen eine gute Anleitung und Begleitung. Dies können Hebammen und Krankenhauspersonal heutzutage häufig aufgrund von Zeitmangel und teilweise nicht vorhandener Kenntnisse in dem Bereich nicht mehr ausreichend leisten. Es ist daher für viele Mütter immer wichtiger geworden, jemanden an seiner Seite zu haben, der einen in den schwierigen Phasen einer Stillzeit unterstützt, bestärkt und mit Rat und Tat zur Seite steht. So können sich insbesondere Fragen ergeben zu einem Milchstau, wunden Brustwarzen, genügender Milchmenge, zu geringer Zunahme des Kindes, Stillpositionen und Stillschwierigkeiten, anatomischen Besonderheiten von Mutter oder Kind, Saugverwirrungen, Stillen nach Bedarf, Koliken, Stillen von Zwillingen oder Frühgeburten, Abstillen,...

Diese Liste könnte noch weitergeführt werden. Ganz oft braucht es nur ein wenig Zeit und Übung bis sich zwischen Mama und Kind eine schöne und entspannte Stillbeziehung entwickelt. Manchmal braucht es eine kleine Anleitung zu Beginn der Stillzeit und einige Mamas haben eben doch mit ein paar mehr Schwierigkeiten zu kämpfen, bei denen eine Stillberaterin durchaus behilflich sein kann. Wichtig bei der Suche nach einer Stillberaterin ist, dass diese eine fundierte Ausbildung und Erfahrung vorweisen kann, dass die Chemie stimmt (schließlich sind Fragen rund ums Stillen sehr persönlich) und dass man ihr vertraut. Nicht immer lassen sich alle Probleme von heute auf morgen lösen und es gibt auch tatsächlich Stillprobleme die lassen sich schlichtweg nicht lösen. Die Erfahrungen zeigen aber, dass eine gute Stillberatung in den meisten Fällen durchaus hilfreich sein kann und sich das investierte Geld lohnt.

Sofern ihr Fragen habt zum Thema Stillen oder Stillberatung, schreibt mir gern.

  • geborgen-gebunden

Viele Frauen machen sich bereits in der Schwangerschaft große Sorgen, dass ihre Milch nicht reichen könnte. Warum diese Sorgen in den meisten Fällen völlig unbegründet sind könnt ihr im folgenden Beitrag lesen.

Stillbild, Stillen in der Öffentlichkeit, Normalize Breastfeeding, Reicht meine Milch, StillproblemeStillbild, Stillen in der Öffentlichkeit, Normalize Breastfeeding, Reicht meine Milch, Stillprobleme

Eine der wohl häufigsten Fragen, die einem als Stillberaterin aber auch in vielen Mama-Foren und Baby-Gruppen begegnet ist "Reicht meine Milch?" Woher kommt diese Unsicherheit der Frauen? Sollte Stillen nicht das natürlichste der Welt sein? Sollte man als gesunde Frau nicht erst einmal davon ausgehen, dass man sein Neugeborenes ernähren und versorgen kann, wie es von der Natur vorgesehen ist? JA! Über 95 % der Frauen könnten ihr Baby nur durch ihre Muttermilch ernähren. Ein Kind, das nach Bedarf gestillt wird, reguliert die Milchproduktion allein durch die Nachfrage.

Anders als beim Flasche geben, kann man beim Stillen allerdings die getrunkene Milchmenge nicht überprüfen. Dies verunsichert viele Mütter zunächst. Vor allem am Anfang kann man häufig noch nicht einschätzen, ob das Baby nach einer Stillmahlzeit noch hungrig ist, wann es evtl. wieder hungrig sein könnte und ob es denn nun genügend Milch bekommen hat um gut zu gedeihen.

Aber auch ohne genaue Anzeige der getrunkenen Milliliter, gibt es einige Hinweise, die dafür sprechen, dass das Baby genügend Muttermilch bekommt.

1. Das Baby ist zufrieden nach dem Stillen

Ein hungriges Baby erkennt man meist daran, dass es angespannt und unruhig ist, seine Fäustchen in den Mund nimmt und eine suchende Mundbewegung macht. Aus anfangs leichten Geräuschen wird nach kurzer Zeit meist lautes und ungeduldiges Schreien. Um gar nicht erst diese stressige Situation aufkommen zu lassen, sollte ein Baby möglichst bereits bei den kleinsten Hungerzeichen angelegt werden.

Wenn das Baby dann genügend gesättigt wurde während der Stillmahlzeit ist es üblicherweise entspannt und zufrieden, lässt meistens von alleine die Brust los, oder schläft sogar an der Brust ein.

2. Ausreichende Anzahl Urinwindeln

In den ersten Lebenstagen bekommt das Neugeborene nur das Kolostrum (die Vormilch), sodass der Urin noch recht wenig ist, aber täglich mehr wird. Zur Zeit des Milcheinschusses zwischen dem 2. und 6. Tag sollte das Neugeborene etwa 3-4 nasse Einwegwindeln oder 4-5 nasse Stoffwindeln in 24 Stunden haben. Circa ab dem 7. Lebenstag sollten es mindestens 4-6 nasse Einwegwindeln oder 6-8 nasse Stoffwindeln sein. Der Urin des gesunden Neugeborenen ist farblos und geruchlos.

3. Stuhlgang

In den ersten drei Lebenstagen findet sich das dunkelgrün bis schwarz gefärbte, zäh-klebrige Kindspech (Mekonium) in der Windel des Neugeborenen. Zur Zeit des Milcheinschusses zwischen dem 2. und 6. Tag wird der Stuhlgang häufiger und von der Konsistenz her breiig und farblich geht er langsam ins gelbe. Ab dem 7.Tag sollte ein voll gestilltes Kind ockergelben Stuhlgang in breiiger bis flüssiger Form ausscheiden und dies mindestens 3-5 mal innerhalb von 24 Stunden. Ab der circa 4.-6. Lebenswoche verändert sich die Häufigkeit des Stuhlgangs je nach Baby. Jetzt ist Stuhlgang zwischen mehrmals täglich und allen 10-14 Tagen völlig in Ordnung, soweit es dem Kind gut geht, es weiterhin genügend Urinwindeln gibt und keine Anzeichen für eine Verstopfung bestehen.

4. Gewichtszunahme und Wachstum des Kindes

Einer der deutlichsten und auch wichtigsten Anhaltspunkte für die ausreichende Nahrungsaufnahme voll gestillter Kinder ist deren Zunahme und Wachstum.

In den ersten Lebenstagen ist eine Abnahme des Neugeborenen völlig normal. Sie trinken in der Zeit nur das Kolostrum, scheiden aber eine große Menge Kindspech zeitgleich aus. Die Abnahme sollte nicht mehr als 10 % des Geburtsgewichtes betragen. Bereits ab etwa 7 % Abnahme kann durch eine Stillberaterin oder eine gut ausgebildete Hebamme positiv auf das Stillmanagement eingewirkt werden.

Nach dem Milcheinschuss sollte das Gewicht des Kindes langsam wieder ansteigen, sodass es spätestens um den 10.-14. Lebenstag sein Geburtsgewicht wieder erreicht hat.

Im Anschluss nehmen gesunde voll gestillte Babies in den ersten 2 Monaten durchschnittlich 170-330 Gramm pro Woche zu. Sie sollten mindestens 140 Gramm in der Woche zunehmen. Andernfalls spricht man von einer Gedeihstörung, die mit einer Stillberaterin, einer gut ausgebildeten Hebamme oder dem Kinderarzt näher angeschaut werden sollte.

Im dritten und vierten Monat nimmt das Kind noch durchschnittlich 110-330 Gramm pro Woche zu, im fünften und sechsten Monat circa 70-140 Gramm wöchentlich.

Wichtig zu wissen ist für die Eltern, dass man ein Neugeborenes beim Stillen nicht überfüttern kann. Es gibt Kinder die unheimlich oft und / oder sehr lange trinken. Jedes Stillen nach Bedarf des Kindes ist dabei in Ordnung. Auch wenn Stillkinder häufig die ersten Monate übergewichtig aussehen und Speckröllchen haben, ist das absolut okay. Ein bisschen mehr auf den Rippen in dem Alter ist sogar hilfreich um die ersten Erkältungen und Krankheiten gut zu überstehen.

Folgende Anzeichen sind hingegen kein Hinweis für zu wenig Milch der Mutter:

  • Wenig Milch in den ersten Tagen nach der Geburt. Ein Neugeborenes hat einen so kleinen Magen, dass winzige Mengen Kolostrum absolut ausreichen, um dem Baby genug Muttermilch zukommen zu lassen. Der Milcheinschuss kann 3-6 Tage auf sich warten lassen und wird teilweise durch die Mütter nicht einmal bemerkt.

  • Die Brüste sind nicht immer gleichbleibend prall. Die Festigkeit verändert sich im Laufe der Schwangerschaft und im Laufe der Stillzeit. Dies ist kein Zeichen dafür, dass nicht (mehr) genügend Milch produziert wird.

  • Das Kind trinkt extrem oft und / oder extrem lange an der Brust. Jedes Stillkind trinkt anders. Es gibt Babies, die nur alle 3-4 Stunden oder sogar seltener an die Brust wollen und dann sogar in wenigen Minuten gesättigt sind. Andere Kinder möchten zeitweise jede halbe Stunde trinken und brauchen gefühlt stundenlang. Alles zwischen 6 und 20 mal Stillen in 24 Stunden ist die ersten Wochen und Monate völlig in der Norm. Und es gibt auch sogenannte Clusterphasen, in denen die Babies fast durchgehend mehrere Stunden an der Brust trinken. Diese Phasen kommen typischerweise abends vor und verunsichern viele Mütter. Es ist jedoch ein normales Verhalten. Zum einen suchen viele Babies die Nähe, zum anderen bestellen sie durch das viele Saugen weitere Milch. Und auch Wachstumsschübe können dafür sorgen, dass ein Baby plötzlich öfter an die Brust möchte oder evtl. von heute auf morgen beide Seiten leer trinkt.

  • Die Mutter spürt den Milchspendereflex nicht. Auch dies ist völlig normal. Einige Mütter spüren ein leichtes Ziehen in der Brust, sobald der Milchspendereflex ausgelöst wird und die Milch kommt. Andere spüren dies in der gesamten Stillzeit nicht.

  • Das Baby ist allgemein sehr unruhig und unzufrieden. Auch dies ist kein sicheres Zeichen dafür, dass es Hunger hat und zu wenig Milch bekommt. Es gibt viele weitere Gründe dafür, warum ein Baby unruhig ist. Sollte die Unzufriedenheit aber mit dem Stillen in Verbindung stehen, kann eine Stillberaterin sich das Stillmanagement einmal näher anschauen, um auszuschließen, dass das Kind aufgrund von Hunger, einer nicht geeigneten Anlegeposition oder Schmerzen unzufrieden ist.

  • Das Baby weint sehr viel am Abend und möchte in dieser Zeit vermehrt an die Brust. Auch dies ist ein Verhalten, dass nichts mit dem Stillen an sich zu tun hat. Vielmehr verarbeiten Babies gerade Abends häufig den Tag, brauchen manchmal auch einfach ein paar Wochen um richtig in der Welt anzukommen. Teilweise handelt es sich auch um sogenannte Regulationsstörungen, die ebenfalls mit einem Fachmann besprochen werden können. Zu wenig Milch ist hingegen eigentlich nie der Grund für abendliche Schreiphasen.

Wenn du den Verdacht hast, dein Kind bekommt zu wenig Muttermilch oder du sonstige Fragen rund um das Thema Stillen hast, meld dich gerne bei mir. Ich freue mich, wenn ich helfen kann.