Laut dem Climate Action Tracker fehlt der Schweiz eine umfassende Vision für die Reduktion von Treibhausgasen auf Schweizer Strassen. Dabei gelten Elektroautos als die Lösung, um das Klima vor den Auswirkungen des Individualverkehrs zu bewahren. Sie werden als umweltfreundlichere und günstigere Alternativen zu Verbrennungsmotoren angepriesen. Zudem werden sie von Jahr zu Jahr günstiger.

Der Umstieg zum Elektroauto gilt momentan als die Lösung schlechthin, welche sowohl das Klima aber auch uns vor den verheerenden Auswirkungen des Individualverkehres schützen soll. Die Hersteller versprechen uns, durch diese Investition umweltfreundlicher unterwegs zu sein und nebenbei sogar Geld zu sparen. Dies nicht nur erst beim Unterhalt, sondern bereits bei der Neuanschaffung - denn die Preise der Elektroautos sinken jährlich.

Hier werde ich an konkreten Beispielen aufzeigen, warum Elektroautos den Verbrennungsmotoren überlegen sind und was aus meiner Sicht die konkreten Auswirkungen auf die Thuner Politik sein sollten.




Umwelfreundlichkeit

Ende 2017 hat das renommierte Massachusetts Institut of Technology (MIT) eine Studie publiziert, die Autos mit Elektroantrieb und Verbrennungsmotoren verglichen hat. Dabei kamen sie zu einem überraschenden Schluss: Der SUV Tesla Model X PD100d erzielt eine bessere Bilanz, als der bescheiden wirkende Ford Fiesta SFE Ecoboost. Beim Tesla fällt zwar mehr CO2 bei der Produktion an, dieses kompensiert er aber deutlich während der Lebensdauer. Nach 175‘000 gefahrenen Kilometern stösst der Ford unglaubliche 34 Tonnen CO2 aus. Der SUV von Tesla hingegen stösst beim Strommix von Deutschland, der zu einem Drittel aus Kohlestrom besteht, etwa 22 Tonnen aus. Beim Strommix der Schweiz halbiert sich diese Bilanz auf 11 Tonnen. Bei diesem Extremvergleich wird schnell klar, dass es sich heute lohnt, ein Elektrofahrzeug zu kaufen. Umso mehr bei unserem CO2-armen Strommix (siehe Diagramm unten)! Im Falle des Tesla lohnt sich Kauf bereits nach 62‘000 gefahrenen Kilometern!


Diagramm: Vergleich zwischen Tesla Model X PD100d (deutscher und schweizer Strommix) und dem Ford Fiesta SFE Ecoboost

Kosten

Die Anschaffungs-, Unterhalts- und Betreibungskosten sind ein nicht wenig gehörtes Argument gegen den Kauf eines Elektrofahrzeuges. Das stimmt aber nur für Langstreckenfahrer. Bei Pendlern und Kurzstreckenfahrern macht es bereits heute Sinn machen umzusteigen.

Laut Comparis kann zudem mit einem Versicherungsprämienrabatt von bis zu 56% gerechnet werden. Zusätzlich muss ein Elektroauto viel weniger in die Garage und braucht einen weniger umfangreichen Service.

Der Preis für Neuwagen hat in den letzten Jahren abgenommen und wird auch weiter abnehmen. Was es weiterhin zu berücksichtigen gilt, sind Steuerabzüge. Diese sind kantonal unterschiedlich, in Bern sind diese aber nicht zu vernachlässigen. Beim Tesla Model X sind das 310.45 CHF für die ersten drei Jahre. Ein vergleichbares Modell mit einem Verbrennungsmotor treibt die Kosten auf 1552.20 CHF.

Zusammen mit den sinkenden Preisen wird schnell klar, dass sich der Umstieg auf ein rein elektrisch angetriebenes Fahrzeug je länger je mehr lohnt!


Machbarkeit

Dass ein Umstieg auf elektrische Fahrzeuge bereits heute möglich ist, zeigt ein Experiment in Anwil (Gemeinde in Basel-Land). Zwei Drittel der Einwohner setzte für eine Woche komplett auf Elektromobilität. Das Stromnetz wurde wider Erwarten nicht überlastet, es wurden sogar Kosten gespart! Auf das Jahr gerechnet wäre diese Art der Mobilität 320‘000 CHF günstiger und es würden 880 Tonnen CO2 gespart werden (zum Vergleich: Der Flug Zürich-New York retour stösst pro Passagier 2.6 Tonnen CO2 aus). Andere Länder gehen mit gutem Beispiel voran. So Norwegen: 18.6% der Neuzulassungen sind Elektrofahrzeuge. In der Schweiz sind es nur gerade 1.2%. Auch bei den Plug-In-Hybriden haben sie deutlich die Nase vorne mit 16.2% aller Neuzulassungen (Schweiz: 0.8%). Auch in Finnland, Belgien, Schweden und Island ist die Zahl der Neuzulassungen deutlich höher, als in der Schweiz. Sie zeigen, dass es machbar ist.


Bestehende Infrastruktur

Doch wie können wir die vermehrte Einführung der Elektromobilität vorantreiben, ohne Verbote und Vorschriften zu erlassen? Das schlechte Netz von Ladestationen ist ein Argument gegen die Anschaffung eines Elektroautos, dem ich viel begegnet bin. Es scheint mir vernünftig, dort anzusetzen und dieses Netz auszubauen. Ich wage wieder ein Vergleich mit Norwegen: In Oslo teilen sich 488 Personen eine Ladestation, hingegen sind es in Thun sagenhafte 7‘405 Einwohner. Auch in anderen Schweizer Städten ist die Lage nicht besser. Die Zahl schwankt zwischen 2‘992 für St. Gallen und 40‘602 Luzern.




Fazit

Aus heutiger Sicht ist es unbestritten, dass Elektroautos besser für die Umwelt und teilweise auch besser für das Portemonnaie sind. Um unsere Klimaziele zu erreichen brauchen wir mehr Elektroautos auf unseren Strassen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir dies mit mehr Ladestationen erreichen werden. In meinen Augen muss die Stadt Thun den Ausbau der Ladestationen aktiv fördern, damit wir mehr als die 6 momentan vorhandenen Ladestationen zur Verfügung haben und wir von den umweltfreundlicheren sowie günstigeren Elektrofahrzeugen profitieren können!

Das alles heisst natürlich nicht, dass ab heute jede Bürgerin und jeder Bürger ein Elektroauto kaufen und fahren muss. Es geht mir darum aufzuzeigen, dass wir mit verhältnismässig wenig Aufwand (Ladestationennetz ausbauen) diejenigen unterstützen können, die jetzt und in Zukunft zum Umweltschutz beitragen und ihr Budget schonen wollen.


Quellen:

https://www.raffael-kummer.ch/blog-quellen