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No Milk Today

 

 

No Milk today - der Klassiker der Herman´s Hermits aus den 70ern. In dem Lied symbolisiert die Milchflasche das Ende einer Liebe, das Ende aller Träume und die Angst vor der Einsamkeit – ein herrlich melancholisches Sinnbild.

 

Heutzutage sind wir mit dem Gegenteil konfrontiert – there´s too much milk today. Weniger melancholisch - dafür mit vielen Problemen verbunden.

 

Die industrielle Milchproduktion hat enorm negative Auswirkungen auf unsere Landwirtschaft, unsere Umwelt, unsere Politik und am allermeisten auf unsere lieben Milchkühe (und sogar auf unsere Gesundheit). Da stehen wir also, vor einer Unmenge an Milchflaschen und fragen uns, mit welchen Konsequenzen zu rechnen ist.

 

Vielleicht stellen wir uns zu Beginn die Frage: was ist eigentlich Milch?

 

Milch ist eine "trübe Emulsion von Proteinen, Milchzucker und Milchfett in Wasser". Sagt Wikipedia ganz nüchtern. Genauso nüchtern oder vielleicht auch unbewusst ist bisweilen unser Umgang mit der Milch. Sie ist zu alltäglich geworden. Durch produktionstechnische Verfahren wird sie auch noch derart verändert, dass sie länger haltbar bleibt.

 

Durchschnittlich konsumiert ein deutscher Bürger über 91 Liter Frischmilcherzeugnisse pro Jahr, denn Milchprodukte gehören in ihrer Vielfältigkeit für die meisten Europäer zu fast jeder Mahlzeit dazu. Milch verfeinert unseren geliebten Kaffee oder ist die Basis der köstlichsten Desserts. Eiscreme zum Beispiel!

 

Wo liegt nun das Problem?

 

Nun, die konventionelle Milchproduktion bringt einige mit sich.

 

Ein paar Auszüge:

 

Es ist kein Geheimnis, dass sich unsere Wirtschaft primär an Profit und Gewinnmaximierung orientiert. Seit Jahrzehnten sind die massiven strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft und insbesondere in der Milchwirtschaft kaum mehr aufzuhalten. Die Idylle von grasenden Kühen auf der Weide, die uns auf Milchverpackungen vorgegaukelt wird, grenzt in Wahrheit an einer Art Verbrauchertäuschung und ist eine Seltenheit geworden. Der Begriff "Weidemilch" ist ein weiterer Marketing-Gag. Unsere Milchproduktion ist hoch industriell geworden, wie die meisten Bereiche in der Landwirtschaft. Um Milch zu produzieren, muss eine Kuh jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Naturgemäß gibt sie rund 10-15 Liter am Tag oder so viel, dass es für die Ernährung ihres Kälbchens reicht.

 

In Folge einer jahrzehntelangen Zucht auf Milchleistung sind unsere Kühe heute in der Lage, mehr als das doppelte an Milch zu produzieren - manche Rassen geben mehr als 50 Liter Milch pro Tag. Für die Tiere ist das eine enorme Stoffwechselleistung und kann mit Hochleistungssport verglichen werden, der jedoch ihrer Gesundheit schadet. Obwohl Kühe je nach Rasse um die 20 Jahre alt werden können, wird eine Milchkuh heute bereits nach durchschnittlich 4-5 Jahren aus dem Bestand ausgemustert. Da sie krank sind und ihre Milchleistung nachlässt.

 

Wir halten so viele Kühe auf engem Raum, dass es unmöglich ist, auf ihre arteigenen Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Wichtiger sind Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Es gibt noch nicht mal gesetzliche Vorgaben für die Haltung von Rindern über 6 Monaten.

 

Nur noch wenige Tiere dürfen im Sommer auf der Weide liegen sondern stehen ganzjährig im Stall. In Süddeutschland werden sogar noch rund 1/3 aller Milchkühe in Anbindehaltung gehalten, was bedeutet, dass sie tagein tagaus an Ort und Stelle angebunden sind - oftmals sogar ganzjährig, ein Lebenang.

 

Als Wiederkäuer lieben Rinder große Mengen an frischem Gras, Heu und Wiesenkräutern. Auf dem Speiseplan einer Hochleistungskuh finden sich allerdings eher aufwendig kalkulierte, energiereiche Futtermischungen wieder, die zwar ihre hohe Milchleistung aufrecht erhält, ihren vier Mägen jedoch nicht gut tut. Die Fütterung oder auch das Melken übernehmen auf großen Betrieben mehr und mehr aufwendige Automaten. 500 oder 1000 Kühe pro Betrieb sind keine Seltenheit.

 

Sie heißen nicht mehr Adele, Berta oder Zenzi. Die Tiere tragen jetzt Nummern und schon lange keine Namen mehr.

Ein weiteres Problem - die Menge! In Deutschland wurden im Jahr 2016 mehr als 4,2 Millionen Milchkühe auf rund 75.000 Betrieben gehalten. Und täglich türmen sich neue Butterberge und Milchseen auf. Wir produzieren zu viel Milch und eine Milchkrise jagt die nächste. Viele Landwirte können kaum mehr kostendeckend produzieren – schlimmer noch – einige sind dazu gezwungen, ihre Milchkuhhaltung aufzugeben, da sie fortlaufend rote Zahlen schreiben. In 2015, haben rund 3000 Milchhöfe in Deutschland aufgegeben- Ihre kräftezehrende und anspruchsvolle Arbeit an 365 Tagen im Jahr zahlt sich nicht mehr aus. 2016 kam es wiederholt dazu, dass Milchbauern zornig und zurecht ihre Milch vor das Kanzleramt kippten. Ein Liter Milch kostet im Supermarkt nicht mal mehr als 50 Cent, doch der Landwirt erhält davon tatsächlich weniger als die Hälfte.

 

Zum Vergleich: Ein Liter Bier kostet auf dem Oktoberfest mehr als 10 Euro.

Stimmt hier denn das Verhältnis noch?

 

Deutschland ist der größte Milchproduzent Europas und deutsche Milch genießt im Ausland ein hohes Ansehen. Demzufolge wird unsere Milch auf dem Weltmarkt zu Spottpreisen gehandelt und auf Hochtouren exportiert. Die deutsche Landwirtschaft müsse schließlich wettbewerbsfähig bleiben, so lautet der Appell der Politik. Unsere Milch ist so billig , dass sich sogar der Transport von Milchpulver nach Afrika finanziell lohnt. In einem kamerunischen Lebensmittelgeschäft lacht uns also der Joghurt einer bayerischen Molkerei entgegen. Eine bizarre Vorstellung, gleichzeitig doch real und auf lange Sicht gefährlich. Denn der harmlose bayerische Joghurt tritt mit einheimischen Produkten in Konkurrenz und hat das Potential, die dortige Milchwirtschaft zu ruinieren.

 

Ein Teufelskreis.

 

Milch ist also doch nicht einfach nur Milch.

Oder was meinen Sie?

 

Wir haben uns dazu entschieden, einen anderen Weg zu gehen. Für uns ist Milch ein äußerst wertvolles und kostbares Produkt und das möchten wir gerne unseren Kunden als Botschaft mit auf den Weg geben.

 

 

 

 

 

Wir sind sehr glücklich, Maria und Leonhard Veicht vom "Nirschlhof" gefunden zu haben, die unsere Ansichten teilen.

 

Der "Nirschlhof" ist ein reiner Bio-zertifizierter Familienbetrieb bei Grafing und Mitglied im Bioverband BIOKREIS. Die insgesamt 60 Milchkühe und auch das Jungvieh haben in der Vegetationsperiode von März bis Oktober täglich 24 Stunden Weidezugang und stehen im Winter im großzügigen Laufstall, und geniessen Heu. Sie dürfen also auf Gras liegen, Sonne und Wind auf ihrer Haut spüren und sich ihre Lieblingsgräser selbstständig von der Weide pflücken. Ihre Milch ist tatsächlich echte "Heumilch", denn außer Gras und Kräutern bekommen die Kühe zusätzlich nur selbst getrocknetes Heu und hofeigenes Getreide zum fressen. Wirklich wiederkäuerfreundlich!

 

Im Frühling und Herbst werden alle Kälbchen auf der Weide geboren. In der folgenden Laktation geben die Milchkühe rund 20 Liter Milch am Tag, deutlich weniger als ihre Artgenossinnen aus der konventionellen Landwirtschaft.

Dafür zahlen wir einen fairen und angemessenen Preis - 1,50 pro liter -, der es unserer Bauernfamilie ermöglicht, optimal für ihre Tiere zu sorgen und ihren Beruf täglich mit Stolz auszuüben.

 

In einer Kugel Eis fügt sich für uns somit vieles zusammen: der Vorteil für die Tiere, für die Landwirte und für den guten Geschmack. Und auch unserer Vision bleiben wir treu: WE STAY TRUE!

 

 

Food For Thought // mehr zum Thema

 

* Existenzkampf: Die dramatische Geschichte eines Milchbauern (Der Spiegel)

* Der Irrsinn mit der Milch - Global, billig, ruinös (ZDF)

* Milchbauern fürchten um Existenz

* Der Preis der billigen Milch (die Zeit)

 

 

 

 

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