Back to the Roots - Der RuheForst in Hümmel

Updated: März 26

 

Auf unserem herbstlichen Spaziergang durch den RuheForst Hümmel trafen wir auf den Förster Timo Schmitt und seinen Mitarbeiter Norbert Weber. 2003 wurde der RuheForst als Naturwaldreservat von der Gemeinde Hümmel ins Leben gerufen und durch Peter Wohlleben geleitet. Die Naturschutzmaßnahmen werden mit dem Kauf der Grabstätten finanziert. Der Bestattungswald gibt der Natur die Möglichkeit in der geschützten Fläche Urwald entstehen zu lassen. Dem Menschen bietet er Raum für eine naturnahe Bestattung und Trauerarbeit in einer friedvollen und einzigartigen Umgebung.

 

 

Lieber Timo, als Förster leitest du den RuheForst Hümmel. Dann bist du also der Nachfolger von Peter Wohlleben?

Ja, genau. Im Juli 2017 bin ich in große Fußstapfen getreten. Das freut mich und macht mich stolz. Besonders bin ich sehr glücklich und begeistert mit welcher Offenheit und Herzlichkeit mich meine Kollegen aufgenommen haben - ja fast schon familiär! Das ist einfach toll und macht richtig Spaß...

 

Dein Dialekt verrät uns, dass du aus Schwaben stammst. Wie bist du in die Eifel gekommen?

Nach meinem Forstwirtschaftsstudium in Rottenburg am Neckar war ich zuerst in Thüringen tätig. Durch Kommilitonen und Freunde in der Vulkaneifel habe ich damals erfahren, dass die Gemeinde Hümmel einen Förster sucht. Auf die Stellenausschreibung habe ich mich beworben und so bin ich dann in der Eifel gelandet und habe hier meine neue Heimat gefunden.

Heute erleben wir Tag für Tag, dass sich immer mehr Menschen für eine naturnahe und alternative Bestattung interessieren.

 

Wie groß ist die von dir betreute Waldfläche hier im Ruheforst?

Die Fläche des unter Naturschutz stehenden Ruheforst beträgt ca. 26 Hektar. Als Peter Wohlleben in Kooperationen mit der Gemeinde Hümmel damals vor 15 Jahren mit dem Projekt RuheForst begonnen hat, konnte man noch nicht abschätzen wie sich das Konzept unseres Ruheforstes entwickeln und auf welche Resonanz es bei der Bevölkerung stoßen wird. Man kann sagen, dass unser RuheForst damals schon Vorreiter im Bereich Baumbestattungen in Deutschland war. Heute erleben wir Tag für Tag, dass sich immer mehr Menschen für eine naturnahe und alternative Bestattung interessieren.

 

 

Schnittkäse, Kolvenbacher ZiegenhofSchnittkäse, Kolvenbacher Ziegenhof

Timo: "Das ist der gesamte RuheForst und jeder Punkt symbolisiert einen Baum. Wenn ich heran zoome, erscheinen die einzelnen Baumnummern. In unserer Datenbank kann ich verschiedene Filter setzen und so beispielsweise abfragen, welche Bäume frei sind, um welche Baumart es sich handelt und natürlich, wo welche Person beigesetzt ist. Jeder Baum ist natürlich auf den Zentimeter verortet. Die topografische Kartografierung der Bäume selber übernimmt ein Vermessungsbüro. Wir messen schließlich die Urnengräber meist kreisförmig um die jeweiligen Bäume ein."

 

Lieber Norbert, was sind deine Hauptaufgaben hier im Ruheforst?

Ich biete, wie Timo Führungen hier im Wald an. Ein weiterer großer Teil meiner Arbeit nimmt die Vorbereitung der Gräber und die Begleitung der Angehörigen bei Beisetzungen ein. Durchschnittlich kann man von 10 Beisetzungen in der Woche ausgehen. Außerdem vermessen wir die Urnengräber an den einzelnen Bäumen. Wir pflegen und sichern die Wege. Zusätzlich kommen einmal im Jahr Baumsteiger, die vereinzelnd morsche Äste oder auch die gesamte Krone entfernen, damit diese nicht unkontrolliert herausstürzen. Jede Form von Totholz bleibt im Wald liegen, wir räumen umgestürzte oder rausgeschnittene Äste und Stämme lediglich zur Seite.

Jede Form von Totholz bleibt im Wald liegen, wir räumen umgestürzte oder rausgeschnittene Äste und Stämme lediglich zur Seite.

 

 

Norbert: "Hier kann man deutlich erkennen, wie der Stamm schon mit Schwamm befallen war. Der war einfach schneller als die Baumsteiger und ist umgestürzt."

 

Wie häufig bietet ihr eine Führung im Wald an und wie kann man sie sich vorstellen?

Wir bieten jeden Tag kostenlose Informationsführungen für Einzelpersonen im RuheForst an. Wer Interesse an einer Führung hat, kann telefonisch einen Termin mit uns vereinbaren. Ein gemeinsamer Rundgang durch den Wald dauert circa 1 Stunde; wir nehmen uns für den Besucher aber gerne die Zeit, die er benötigt, um alle offenen Fragen zu klären. Dabei bringen wir ihm das Konzept des RuheForstes nahe und erläutern ihm die Abläufe bei einer Beisetzung. Um bei der Entscheidungsfindung zu helfen, vereinbaren wir auch weitere Termine mit dem Interessenten. Zudem empfehlen wir gerne, sich auch andere Bestattungswälder anzuschauen. Die Meisten kommen im Anschluss wieder zu uns, weil unser Konzept wirklich stimmig ist. Hier erlebt man eine sehr friedvolle Ruhe - der Name RuheForst ist wirklich Programm. Viele Menschen sind nach einem gemeinsamen Spaziergang sehr zufrieden und erfahren, dass man dem Thema Tod und der eigenen Vergänglichkeit hier im Wald, im Kreislauf der Jahreszeiten und der Natur, in einem sehr friedvollen Kontext begegnen kann. Das zu erleben, macht richtig Freude und ist für mich eine sinnstiftende Tätigkeit.

 

Wie genau gestaltet sich eine Beisetzung hier im Ruheforst?

Die Beisetzung kann von der Trauergemeinde in Absprache mit uns ganz frei gestaltet werden – mit und ohne Pastor. Viele bringen gerne Musik mit oder machen selber Musik, wenn es eine musikalische Familie ist. Wir legen Wert darauf, dass in unserem Bestattungswald die Trauergemeinde und die Besucher nicht durch Sportler gestört werden. Um dabei den Anreiz für Mountainbiker und Reiter zu nehmen, den RuheForst für sportliche Aktivitäten zu nutzen, haben wir unsere Wege so angelegt, dass kein Rundparcours entsteht, sondern diese in einer Sackgasse enden. Die Bestattung in unserem Ruheforst wird sehr gut bei den Menschen angenommen und ich finde die Beisetzung hier im Wald eine tolle Sache. Seit 2003 haben Menschen aus ganz Europa und selbst Nord- und Südamerika hier ihre letzte Ruhe gefunden. Zahlreiche Menschen haben bereits jetzt schon bei uns ihren Baum und ihre Begräbnisstätte gekauft und so ihre Vorsorge zu Lebzeiten geklärt. Wir erweitern regelmäßig den RuheForst und nehmen neue Bäume mit auf, um so dauerhaft eine große Waldfläche unter Totalschutz zu stellen.

Wenn ich an einem uralten Baum stehe und mir bewusst mache, dass dieser noch viele Jahrhunderte da stehen wird, wenn es mich gar nicht mehr auf der Welt gibt, stimmt mich das obendrein sehr ehrfürchtig.

 

Zum Abschluss, was ist für euch Naturverbundenheit?

Norbert: Naturverbundenheit bedeutet für mich mit offenen Augen und bewusstem Geist den eigenen Lebensraum wahrzunehmen und wertzuschätzen. Ich denke, dass wenn man als Eifel'er in Mitten einer einzigartigen Naturlandschaft aufwächst und lebt, es oft passiert, dass man die Schönheit der Region verkennt und für die Natur vor der eigenen Haustür blind wird. Viele Menschen hier leben umgeben von Natur, aber erleben sich nicht als Teil dieser, da das bewusste Erfahren der Natur fehlt. Auf meinen Spaziergängen durch den Wald fasziniert es mich immer wieder, die uralten Baumbestände und den jungen Waldbewuchs gleich nebeneinander zu sehen. Es ist einfach unglaublich schön zu beobachten, wenn ein alter morscher Baum niederstürzt und das vorher geschlossenen Blätterdach Licht und Raum für neue Sprösslinge freigibt.

 

Timo: Der Respekt vor der Natur und der würdevolle Umgang mit ihr sind für mich die elementaren Voraussetzungen dafür, eine Naturverbundenheit tatsächlich zu "leben". Jeden Tag bin ich mit meinem Hund im Wald - sei es beruflich oder privat. Diese Spaziergänge durch den Wald sind für mich persönlich absolut wichtig. Denn dort kann ich dem Alltagsstress entfliehen und selbst zur Ruhe kommen. Wenn ich an einem uralten Baum stehe und mir bewusst mache, dass dieser noch viele Jahrhunderte da stehen wird, wenn es mich gar nicht mehr auf der Welt gibt, stimmt mich das obendrein sehr ehrfürchtig. Daher erachte ich es als meine Aufgabe, unsere uralten Wälder in Hümmel zu schützen, um auch Generationen nach mir dieses Naturerlebnis bieten zu können. So können auch sie die Harmonie, Gelassenheit, Geborgenheit und Ruhe im Wald aufnehmen.

 

 

Lieber Timo, lieber Norbert,

vielen Dank für die großartige und informative Führung durch den Ruheforst Hümmel.

 

Romy & Anne

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