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EMS - Training Was sagt die Medizin ???

Elektrische Muskelstimulation

In den vergangenen Jahren sind über 1.000 EMS - Studios in Deutschland entstanden. Viele werben mit Slogans, wie schlank, stark, fit - in nur 20 Minuten pro Woche. EMS Training nutzen heute erstaunlich viele Menschen und das nicht nur aus rein sportlicher Überlegung. Der Zeitaspekt ist in der heutigen Zeit auch ein wichtiger Faktor geworden.

Was unterscheidet das EMS Training von der EMS Therapie?

In der Physiotherapie wird die EMS Therapie zum Beispiel angewandt, wenn ein gezielter Muskelaufbau nach einer Verletzung oder Operation nötig ist. Die entsprechende Muskulatur wird, ohne dass sie dabei aktiv bewegt werden muss, durch einen niederfrequenten Reizstrom stimuliert. Diese Funktionsweise nutzt das EMS-Training. Allerdings wird hierbei nicht nur ein Muskel aus therapeutischen Gründen stimuliert, sondern gleich ganze Muskelgruppen am Körper gesunder Menschen.

EMS verspricht einen schnellen Muskelaufbau bei gleichzeitiger Gewichtsabnahme und das ohne großen Zeitaufwand für die Trainierenden. Erreicht wird dies beim EMS Ganzkörpertraining durch die in eine Funktionsweste eingearbeiteten Elektroden, diese leiten die elektrischen Impulse an die Muskelpartien weiter und erzeugen so die Aktivität der Muskulatur künstlich.

Dabei kann jede Elektrode an der Funtionsweste separat und individuell eingestellt werden. Um den Trainingseffekt zu verstärken, werden neben der Muskelstimulierung mit niederfrequentem Strom, auch isometrische Halteübungen durchgeführt.

Warum ist das EMS Training so erfolgreich?

Warum trainieren gesunde Menschen ihre Kraft und Ausdauer nicht im Fitnesssbereich des Sportstudios, im Schwimmbad oder auf dem Fahrrad? Ein wichtiger Punkt scheint die hohe Effizienz des EMS Trainings zu sein. Für die versprochenen positiven Effekte ist nur ein geringer Zeitaufwand nötig. Dieser wird dabei nicht nur durch die Trainingsdauer von 15 bis 20 Minuten ein- bis zweimal pro Woche bestimmt. Viele EMS-Studios sind schnell und gut erreichbar, was im Idealfall dazu führt, dass der Trainierende einfach seine Mittagspause für das EMS Training nutzt.

Neben dem kurzen Zeitaufwand kommt noch ein weiterer Umstand hinzu, der den Erfolg des EMS Trainings mitbegründet. Viele der EMS Trainierenden fühlen sich direkt nach dem Training gut und sind angetan von den schnellen Effekten. Bemerkenswert ist der Erfolg der EMS Studios, wenn man bedenkt, dass eine einzelne Trainingseinheit mindestens 20,- Euro, ein monatlicher Beitrag meist über 100,- Euro kostet. Damit ist das EMS Training deutlich teurer, als eine Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio. Wird das EMS Training innerhalb eines Fitnessstudios angeboten, so ist dafür immer ein Zusatzbeitrag zu zahlen.

Welche Risiken bestehen beim EMS Training?

In der Vergangenheit ist EMS Training in Fitness- und den EMS Studios in die Kritik geraten. Wissenschaftler der Sporthochschule Köln haben in einer Studie aufgezeigt, dass der Anstieg der Creatin-Kinase-Werte (CK) beim EMS Training bis zu 18-mal höher ist als beim herkömmlichen Training. Im Internet finden sich gleich mehrere Hinweise darauf, dass eine hohe Ausschüttung von Creatin-Kinase, einem Enzym, das die Muskeln mit Energie versorgt, in Einzelfällen zu Nierenschäden führen kann.

Prof. Dr. med. Dirk Fritzsche, ärztlicher Direktor und Chefarzt am Cottbuser Herzzentrum, der sich intensiv mit dem EMS Training auseinandergesetzt hat, relativiert hier: "Bislang war kein einziger Fall einer Nierenschädigung (Crush-Syndrom) durch EMS Training nachweisbar. Die CK-Erhöhung ist eher Ausdruck einer gewissen "ehrgeizigen" Überstimulation der untrainierten Muskulatur, oder besser, eines anfänglich nicht adäquaten Trainings. Dies kann bedingt sein durch einen unerfahrenen Trainer, der seinen untrainierten Kunden zu Beginn zu viel zumutet. Daher ist diese Reaktion, bzw. der CK-Anstieg, nicht als Gefahr zu interpretieren, sondern ergibt sich aus der Unerfahrenheit von Trainer und Trainierendem. Grundsätzlich ist der Anstieg des CK Wertes ja die physiologische Antwort auf das Training und stellen für sich den eigentlichen Reiz dafür dar, dass neue Muskelzellen aufgebaut werden und sich der Stoffwechsel auf mehr oxidativen Metabolismus umstellt.

Prof. Fritzsche, der die entstanden Möglichkeiten im Training und in der Therapie sehr schätzt, appelliert aber auch an einen verantwortungsvollen Umgang mit dem EMS Training. Dies drückt sich vor allem durch ein individuell dosiertes Training aus. Neben einer individuell abgestimmten Dosierung der Elektroimpulse, ist eine sportliche Eignung, ausreichende Erholungsphasen zwischen den Trainingseinheiten sowie eine ausreichende Aufnahme von Kalorien und Wasser vor dem Training wichtige Voraussetzungen für ein gesundes EMS Training.

Studien zeigen, dass EMS Training gute Erfolge im Kampf gegen die Volkskrankheit Rückenschmerzen aufweisen kann. Durch die Stimulierung der tieferliegenden Muskelstränge, dir für die Stabilisierung der Wirbelsäule verantwortlich sind, werden Schmerzen und Verspannungen gelöst. Bei Schmerzen im unteren Rücken werden spezielle Übungen gezielt eingesetzt, was im Normalfall zu einer starken Verringerung des Schmerzzustandes führt.

EMS Training ist alters unabhängig und kann bei älteren Menschen zu einem Erhalt der Selbstständigkeit führen.

Prof. Dr. Kemmler von der Universität Erlangen-Nürnberg beschäftigt sich mit EMS Training bei Menschen mit funktionellen Einschränkungen und erklärt in einem Interview: "Derzeit arbeiten wir sehr intensiv im Bereich der "Sarcopenic Obesity" des alten Menschen, also der überdurchschnittlichen altersbedingten Abnahme der Muskel- und Zunahme der Fettmasse. Die vergangenen beiden Untersuchungen zeigten sehr gute Ergebnisse. Die Abnahme der Fettmasse überstieg interessanterweise die klinisch ebenfalls hoch relevante Zunahme der Muskelmasse."

Der Physiotherapeut Bodo von Unruh aus Stuttgart setzt das EMS Training nicht nur bei Sportlern erfolgreich ein: "Bewährt hat sich das Ganzkörper-EMS-Training bei Patienten nach langen Phasen, durch Schmerzen bedingten, Bewegungsmangel. Der Start in ein aktives Bewegungsmuster lässt sich durch die vermehrt angesteuerten Muskeln gut umsetzten.

Wo liegt die Zukunft des EMS Trainings?

Neben der Weiterentwicklung, hin zum dynamischen Training, eröffnen sich dem EMS Training im therapeutischen Bereich immer mehr Einsatzmöglichkeiten.

Es ist bekannt, dass eine Krebserkrankung und die damit oft einhergehende Chemotherapie zu einem Muskelabbau im Körper führt. Im Uniklinikum Erlangen setzt Prof. Dr. Yurdagül Zopf daher auf Sport, auch mithilfe des EMS Training. Damit werden Schwächungen und Instabilität der Muskeln sowie der Entzündung im Körper entgegengewirkt.

Prof. Fritzsche und sein Team gelang der Nachweis, in welcher Weise das EMS-Training und die von ihm entwickelten Stimulationsprogramme die Sauerstoffaufnahme, Kraftentwicklung und die Herzleistung bei Patienten mit Herzschwäche steigern kann. Im Laufe eines viermonatigen Programmes mit seinen Patienten, haben sich die Parameter für die Sauerstoffaufnahme, die Ergometerleistung und den Blutzucker nach dem Training signifikant verbessert. Die Patienten zeigten eine starke Muskel Zunahme bei konstantem BMI.

Prof. Fritzsche zeigt sich überzeugt und führt weiter aus: " Wir haben mit dem EMS Ganzkörpertraining eine große Chance, da wir bei vielen Krankheitsbildern einen Muskelaufbau bei gleichzeitiger Gewichtsreduktion in relativ kurzer Zeit ermöglichen können. Entscheidend für die zukünftige Nutzung dieser Trainings- und Therapiemethode ist jetzt ein verantwortungsvoller Umgang und eine gute Aufklärungsarbeit aller beteiligten Akteure."

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