• novapublic

Independent. Diverse. Human.

Wie wir lieben

Kolumne von Nada Andjelic

Das aktuelle Feature wurde mit viel Hingabe gewählt! Ein Thema, das sich in aller Bandbreite bei fast jedem Menschen zeigt. Fast jedem, weil auch hier die Ausnahmen die Regel bestätigen. Nichts ist fix! Das einzig konstante im Leben ist die Veränderung, und so weiter. Um mich populistisch auszudrücken: Wir sind alle betroffen!

Aus einigen Perspektiven wurde im Feature das Konzept von Liebe und Beziehungen beleuchtet. Vor allem Paarbeziehungen spielen bei diesem Thema bei vielen Menschen eine große Rolle. Dabei wird eines jedoch oft außer Acht gelassen: Sich selbst zu lieben.

Photo: Anton Belashov

Liebe in ihrer ursprünglichen Form

Paarbeziehungen sind oft von Abhängigkeiten und der Leitung des eigenen Egos überschattet. Dadurch resultieren sogenannte Dualitätskonzepte wie „Liebe-Hass-Beziehungen“.

Diese Beziehungen sind auch oft gekennzeichnet von Bedürfnissen und Erwartungen, diese wiederum sind ein fruchtbarer Boden für Enttäuschungen.

Oft liest man über die „Liebe“, dass sie jedoch in ihrer ursprünglichen und tatsächlichen Form bedingungslos sei.

Auch Eckhart Tolle schrieb dazu:

„Wie wir lieben, hängt davon ab, wie frei wir von Vorstellungen, Konzepten und Erwartungen sind.“

Wie ich liebe, hat also allein mit mir zu tun und meiner Fähigkeit dazu. Je mehr ich also loslassen und mich von Ängsten befreien kann, je mehr Zuversicht ich zu meinem Herzen und mir selbst habe, umso mehr kann ich lieben.

Eckhart Tolle beschreibt in diesem Zusammenhang den Begriff der „Gegenwärtigkeit“. Seine Gegenwart zu erkennen und sich selbst zu beobachten.

Ohne sich zu identifizieren, solle man „einfach sein“.

Photo: Sharon McCutcheon

Kompensation der Unvollkommenheit

Dieses Gefühl der Liebe, dieses ursprünglichen Glücks, soll von innen kommen, nicht von außen. Tief in uns ist das, durch unser begrenztes Bewusstsein, tief verankerte Gefühl, nicht genug oder vollkommen zu sein. Durch Material wie Autos oder Kleidung erfährt man auch keine Vollkommenheit oder etwa durch das Ausüben eines Hobbys. Diese Kompensation funktioniert über kurz oder lang nicht. Nein, die Liebe zu sich selbst, auch wenn man gerade verzweifelt und frustriert auf der Couch sitzt und sich selbst bemitleidet und dabei aussieht wie der Schrecken selbst! Auch dann ist man liebenswert und vor allem dann!

Die Akzeptanz von sich selbst also. Das Erkennen seiner Gegenwärtigkeit ohne jegliche Etikettierung des Verstandes führt laut Eckhart Tolle dazu, sich selbst zu erkennen und zu lieben. Viele PhilosophInnen, wie auch Axel Honneth, verknüpften den Begriff der Liebe logisch mit dem der Anerkennung.

Photo: Allie Smith

„Mein Herz schlägt nur für mich allein“

Indem man sich selbst anerkennt, wie man also ist, ohne sich großartig darüber Gedanken zu machen oder, um Gottes Willen, zu werten, erkennt man, dass man ist. In diesem Moment liegt die Kraft der Stille, die uns einfach sein lässt. Und in diesem „gegenwärtigen sein“, liegt das Glück, so Tolle. Und in einem so zufriedenen Moment, kann man auch sein Herz spüren, das in einem schlägt, nur für einen selber. Und je zufriedener der Mensch, desto mehr Liebe kann man spüren, wäre eine logische Schlussfolgerung.

Soviel Liebe in sich tragen, dass man diese auch weitergibt, ist ein resultierendes Syndrom von Selbstzufriedenheit. Das bedeutet, dass man andere Menschen glücklicher machen will, einfach so, weil man selbst so glücklich ist, weil nicht sehr viel mehr bleibt, das man aus Liebe tut. Man teilt sie, banal ausgedrückt. Auf verschiedenste Art und Weise. Durch Gesten, Komplimente oder Unterstützung etwa. (Wer hierzu mehr lesen möchte, dem empfehle ich das Buch „Die 5 Sprachen der Liebe“ von Dr. Gary Chapman)

Photo: Bbanga Project

Hassan Hayatbakhsh ist ein gutes Beispiel dafür. Der Wiener “Sani-Boy” (Wortspiel der Red.) war sich seines Glückes so bewusst, dass er diese mit denjenigen teilen wollte, die aus seiner Sicht am bedürftigsten waren, mit Kindern mitten in Uganda, die teilweise keine Schulbildung und nicht genug Essen und Wasser haben. Hilfe zur Selbsthilfe! Und dies aus dem reinen Gefühl der Liebe heraus!

Und wer noch mehr aus der praktischen Realität der Liebe lesen möchte, der/dem empfehle ich unser aktuelles FEATURE!

In diesem Sinne, make cake, not war!

Nada

Links

Eckhart Tolle - Offizielle Website

"The 5 love languages" von Dr. Gary Chapman - Official Website

"Bbanga Projekt" von Leon Protz