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Nur die Harten kommen in den Garten

Wie ich meinen Sommer verbrachte

Kolumne

von Lidija Ljubic

 

Ich grüße Sie geschätzte Leser und Leserinnen,

 

es ist mir eine Freude, dass Sie wieder bei uns sind. Dieser Sommer wollte gar nicht kommen, hatte ich das Gefühl und dann war von einem Tag auf den Anderen die Hitzewelle da. Alle gesunden Menschen haben gestöhnt und gejammert, weil ihnen viel zu warm war. Mir, als behindertem Menschen, konnte es nicht warm genug sein. Und obwohl es brütend heiß war, gab es in diesem Sommer nur einen Tag oder höchstens drei, an dem ich keine Wärmeflasche unter meinen Beinen gebraucht habe.

 

Weil ich mich gar nicht bewege, sind meine Beine ständig kühl und aus diesem Grund hatte ich eine zehn Jahre lang andauernde Blasenentzündung. Bis ich eines Tages auf die Idee kam, mir eine Wärmflasche unter die Beinen zu stellen. Schon die alten Omis haben immer wieder gesagt: "Wenn man sich nicht genug anzieht und einem kalt ist, bekommen Frauen leicht Blasenentzündung." Damals haben mir die ÄrztInnen über ein Jahr lang täglich Antibiotika verabreicht. Eine so lange Antibiotika-Kur ist selbstverständlich nicht gesund, doch auf die einfache Lösung sind sie nicht gekommen.

 

Photo: Lidija Ljubic

Gefahren in der Stadt

 

Diesen Sommer gab es für uns Rollstuhlfahrer in der City, eine neue Herausforderung. Diese E-Scooter werden von Menschen einfach irgendwo auf dem Gehsteig abgestellt und so stehen sie uns immer im Weg. Ich war in ein Gespräch vertieft und habe nicht nach vorne gesehen, sondern zu meiner Freundin geschaut, während sie mit mir sprach und so habe ich eines von diesen Dingern umgefahren. Ich habe an den E-Scootern keinen Schaden hinterlassen und mir ist zum Glück nichts geschehen, da ich mit einem Dreifach-Gurt fest an meinem Rollstuhl geschnallt bin.

 

Gefahren beim Reisen

 

In diesem Sommer wollte ich einen kurzen Städtetrip machen und so war ich einige Tage lang in Baden bei Wien. Weiter weg traue ich mich nicht zu fahren, weil ich nicht allzu weit weg von meinen behandelnden ÄrztInnen sein will. Die ÄrztInnen auf dem Land, sind so schwere Krankheiten, wie es bei Muskelschwund ist, erfahrungsgemäß nicht gewöhnt und gaben mir bereits öfters eine falsche Medikation. Wenn man einem Menschen wie mir ein falsches Medikament gibt, kann es so weit kommen, dass meine Atmung dabei aussetzt.

 

Photo: Lidija Ljubic

Alles in allem war es ein schöner Sommer, obwohl ich schon sehr traurig bin, dass er vorbeigeht. Gestern war ich noch unterwegs und hatte schon eher herbstliches Gewand an und dennoch schon so richtig gefroren. Es ist September! An einer Straßenbahnhaltestelle sah ich eine Frau in kurzer Hose und mein Begleiter fragte diese zum Spaß, ob ihr denn kalt sei. Diese verneinte und darauf kam ich mit dieser Dame ins Gespräch. Ich muss mich immer wieder so darüber wundern, wie gesunden Menschen doch so warm ist, wenn es mir zur gleichen Zeit so vorkommt, als sei ich in Grönland oder am Nordpol.

 

Ich wünsche allen noch einen schönen Sommer Ausklang!