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  • Schillerkral

Planänderung - Unverhofft kommt oft... (Tag 5)

Updated: Juni 7

 

Was für ein Tag… Aber alles der Reihe nach.

 

Christopher hat seit dem ersten Stopp nach Wien bemerkt, dass Kühlflüssigkeit immer wieder nachgefüllt werden muss – ist ganz normal und wurde von der Werkstatt auch extra betont, dass ein bis zwei Mal nachfüllen durchaus anfallen können. Wegen Luft im System nach dem Spülen bzw. der Heizung.

 

Nach der russischen Grenze allerdings hat wieder Flüssigkeit gefehlt und der Verdacht nach einem Problem hat sich erhärtet… heute in den Öl Deckel geschaut war es leider klar, wir haben ein Problem – die Zylinderkopfdichtung dürfte kaputt sein, da sich gelbes Gelee/Schleim im Kühlerdeckel befindet. Wahrscheinlich ein Folgefehler des kaputten Thermostates und damit überhitzten Motor :(

 

Zum Glück gibt es auch in St. Petersburg eine Toyota Werkstätte, welche wir über iOverlander gefunden haben und die liegt gleich neben dem historischen Viertel, trifft sich ja wunderbar, wir machen Sightseeing und das Auto wird repariert – so der Wunsch.

Nach kurzer Begutachtung in der Werkstatt wird klar, es bleibt bei einem Wunsch. Dank des Geschmackstests des Mechanikers, ist es definitiv Kühlflüssigkeit im Öl Deckel, Die Dichtung ist frühestens am 06.05 da und der Einbau dauert dann etwa 4 Tage – Schock! Das hatten wir uns anders vorgestellt. Ich bin richtig Enttäuscht und man sieht es mir wohl deutlich an, die Mitarbeiter sind sehr bemüht, aber schneller wird es trotzdem nicht. Weiter fahren mit dem Auto in diesem Zustand gar nicht möglich, ein Motorschaden wäre eine mögliche Folge bzw. vorprogrammiert.

 

Das A auf unserem Kennzeichen wundert den Chefelektriker und er fragt woher wir kommen. Als wir Österreich sagen spricht er plötzlich etwas deutsch mit uns. Piotr war für 20 Jahre immer wieder mal in Deutschland und hatte 5 Jahre Deutsch in der Schule. Er begutachtet die Elektrik unseres Cruisers und meint warum denn hier die Elektrik so wild über den Motor läuft bzw. zwischen den Batterien so viel Kabelgewirr herrscht. Brandgefahr – Funkenbildung. Er zeigt uns seine Werkstatt, seine Arbeit und seinen Crysler Voyager mit 799563km auf der Uhr @.@ Im jahr 2000 hat er auch eine Motorüberholung bekommen und er hat selber den Alcantara-Himmel und die Innenausstattung angefertigt. TOP Arbeit, wir sind beeindruckt. Er wird uns die Elektrik auch gleich neu verlegen, sagt er. LOL da muss erst jemand aus Österreich kommen damit die „Russische Lösung“ zur Anwendung kommt.

 

Nach einiger Zeit in der Werkstatt und vielen Telefonaten der Chefs (Piotr und Alexej) kommt dann doch auch mal der Hunger und ich frage nach einem Lokal wo Pixel mit darf. Gar nicht so einfach, wir erfahren, dass es das Lebensmittelgesetzte (oder Hygienegesetze?) gib welches Tiere in Lokalen verbietet.

 

Der Chef (Piotr) ist allerdings so nett und organisiert uns ein Lokal wo wir hin können. Er fährt uns und bleibt auch beim Essen. Wir bekommen sehr gute russisch-georgische Küche serviert und schlagen uns die Bäuche voll (war unser Frühstück und Mittagessen in einem). Zusätzlich lernen wir noch etwas Russisch mit ihm und er Deutsch von uns. Als wir die Rechnung übernehmen möchten, gibt’s die nächste Überraschung, wir werden eingeladen. Das ist Russland sagt Piotr, hier macht man das so! Mit so viel Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Gastfreundschaft haben wir echt nicht gerechnet! Wir fragen ihn auch nach einer MTS Verkaufsstelle bzw. Karte und er überlegt… Wir schauen in der Werkstatt meint er. Dort angekommen steht er plötzlich mit einer MTS Simkarte vor uns, aktiviert sie und gibt sie mir für mein Handy.

 

Nachdem wir gefragt wurden, wo wir eigentlich wohnen und ihnen den Campingplatz auf der Karte zeigen (einige Kilometer außerhalb St. Petersburg) kommt Piotr mit dem Vorschlag auf einen anderen Platz zu übersiedeln, damit wir näher am Zentrum sind. Er meint mit Hund in den Öffis könnte es blöd werden und Taxi kostet pro Strecke mindestens 10€ von so weit draußen. Überreden braucht er uns nicht lange, doch wie kommt der Wohnwagen dort hin? Auch dafür hat er eine Idee, es gibt einen „Kurierdienst“ mit Geländeauto und Anhängerkupplung, er wird den Wohnwagen holen und auf den neuen Platz stellen. Gesagt, gewartet, getan.

 

Ich mache mich mit dem Kurierfahrer und Piotr auf den Weg zum Wohnwagen, Christopher bleibt mit Pixel bei der Werkstatt und wartet. Da wir auf dem ursprünglichen Campingplatz eine Nacht zu viel bezahlt hatten, lässt es sich Piotr nicht nehmen und möchte eine Gutschrift. Das schafft er mit seiner Hartnäckigkeit knapp nicht, und so wird es „nur“ ein Sekt. Nach über 2 Std. Fahrzeit, einem kleinen Einblick in die „gute russische“ Fahrweise steht der Wohnwagen auf dem neuen „Campingplatz“ (in Österreich würden wir es eher als Parkplatz/Schrottplatz bezeichnen). Der erste Eindruck: „Vom Regen in die Traufe“. Nach der Besichtigung der Küche und der Sanitäranlagen bin ich aber doch positiv gestimmt, alles ist super sauber, geheizt und wirklich großzügig. Es gibt sogar eine Mikrowelle und Waschmaschine! Alles im Preis inkludiert.

 

 

 

Piotr verhandelte extra den „russischen“ Preis (1000 Rubel weniger/Nacht ~ 13€) für uns aus und wir fahren endlich Christopher und Pixel von der Werkstatt abholen. Bei einem kurzen Zwischenstopp fragt er ob ich etwas trinken möchte, ich verneine aber Piotr bringt mir trotzdem 2 Limonaden, Kräuter meint er, eine ist wohl eine Anislimo und das andere ein Tannwipfelgebräu, sehr lecker. Beim Auto Service angekommen liegt Pixel bereits zugedeckt und tief schlafend im Büro.

 

Piotr bringt uns schließlich zum Campingplatz, davor bekamen wir noch eine schnelle „Orientierungsfahrt“ wo die wichtigsten Orte für uns sind und wie wir dort hinkommen. Wir bauen noch schnell das Vorzelt auf – wir stehen nun ja wahrscheinlich ca. 10 Tage hier und essen noch die Reste vom Mittagessen. So geht ein aufregender, anstrengender, tlw. lustiger Tag zu Ende.

 

Mal sehen was die nächsten Tage so bringen. Unseren Zeitplan bzw. unsere Route haben wir hiermit komplett verworfen. Mal sehen wo es uns wann wie hintreibt. Das Ziel bleibt Baikalsee und zumindest ein Teil der Mongolei. Kasachstan werden wir nur noch mit einem Wunder oder einer Verlängerung der Reise schaffen, also streichen wir es erstmal von unserem Plan.

 

Langsam überlege ich einen Reiseführer für abgelegene Werkstätten für Overlander zu schreiben. ;)

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