Sweet Dreams in der Patisserie und Confiserie Mpassione – eine Ode an die Dessertkultur

Updated: Okt 23

Gäbe es einen ersten Eindruck, der das Prädikat „sabbertropfend-atemberaubend“ verdient, dann ist es der erste Eindruck beim Hineinschleifen der etwas angedreckten Nike Air in die Patisserie und Confiserie „Mpassione“ in der Wolf-Dietrich-Straße. Ein Platzerl, welches dem üblichen Salzburger Tagestouristen eher im Verborgenen bleibt, bietet ein Schlaraffenland für jeden, der es gern süß mag und jedem gefühlskalten Zeitgenossen, der das nicht tut, die Möglichkeit, sich zum Positiven zu bekehren.

Optisch verpackt das Mpassione genau diesen niedlich-einladenden Flair des Salzburger Andräviertels. Ein gesunder Hang zum Minimalismus, garniert mit netten Sitzeckerln, herunterwabernden Deckenlampen und Scola di Fiore Rosen, machen das Mpassione zu einem super Platzerl zum Verweilen. Ist das Interieur zwar eher unscheinbar-nett gehalten, so sprengt einem der Anblick der Auslage fast die Augen aus dem Gesicht. Hier finden sich 20 (!) verschiedene Sorten des hausernannten Kassenschlagers Macarons wieder, gepaart mit kleinen Kunstwerken aus Brandteig, die sich bei näherem Hinterfragen als Eclairs herausstellen und die als solche fast schon zu schade erscheinen, um sich damit animalisch den Magen vollzuschlagen. Auch die Croissants schaffen es, einen beim ersten Bissen direkt in die verwinkelten Gässchen von Paris zu beamen und sind somit ein Garant für die gewisse Happiness beim Cappuccino schlürfen. In puncto Aufmachung gleicht das Mpassione in all seinen Facetten also dem Inbegriff von „pittoresk“ – saucool wie wir finden!

Die Strippen der Patisserie zieht der überaus sympathische Martin Studeny. Obwohl er äußerlich unscheinbar wirkt, wie der nette Kerl von nebenan eigentlich, fällt uns die Kinnlade bis an die Schuhsohlen runter, als er uns von ein paar Anekdoten seines Werdegangs erzählt. Bei Stationen im Carpe Diem, Restaurant Ikarus und in der Patisserie und Konditorei Fingerlos verpasst er seinem Handwerk den gewissen Feinschliff – und brilliert seitdem als Magier in der Backstube - mit der Intention, seine Kundschaft einfach Happy zu machen. Schon als Kind interessiert ihn kreatives Gestalten, er schätzt auffallende Architektur sowie Floristik und die Arrangements von Blumen. Genau diesen Hang zum künstlerischen, diesen Hang zum makellosen Perfektionismus, versucht er auch in seine Törtchen einfließen zu lassen – mit Erfolg – wie ein WM Titel, Platz Drei bei den Vienna Cake Masters und viele weitere Auszeichnungen zweifelsohne erkennen lassen.

„Meine größte Freude am Job ist, dass man neue Geschmacksrichtungen kreieren kann, dann die diversen Törtchen schön gestalten kann und wenn ich die Leute sehe, ihr Feedback und ihr Strahlen im Gesicht, wenn es ihnen gefällt und dann eben auch schmeckt.“

Der Partissier versucht in seinem Lokal, die Dessertkultur in Salzburg neu zu definieren. Von klassisch bis abgespaced-modern bietet er einen bunten Mix an französischen und österreichischen Einflüssen an, reduziert auf ein Tellerdessert im Törtchen-Format. Dies tut er stets mit der Devise, so regional und frisch wie möglich zu arbeiten. Das ist groß – und das findet auch der Gaumen.

Wie bereits erwähnt sind die bunten Baiserkreationen namens Macarons - in den 2000ern aus Frankreich exportiert und seitdem fixer Bestandteil eines jeden Foodblogs auf Instagram - das Steckenpferd des Patissiers. Besonderer Geheimtipp von Studeny selbst wären jedoch auch seine Mpassione-Schnitten. Als er hier von dunklem Schokoladenmousse mit Passionsfruchtcreme, Himbeergelee und Schokoladenglasur schildert, spürt man schon bei der akustischen Ausführung einen herberen Ausfluss an Freudenhormonen wie bei der eher seltenen schweiß- und aggressionsfreien Durchquerung der Getreidegasse in der Mittagshitze.

Alles in allem ist das Mpassione ein echter Geheimtipp für alle Salzburger GenießerInnen und schlussendlich und ganz primitiv einfach ein richtig fettes Spektakel für die Augen und Geschmacksnerven! Wir bestellen uns noch ein Törtchen mit einem heiß dampfenden Latte, versinken am Fensterbankerl und sagen:

Chapeau, Martin!